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Nichts hören, nichts sehen


Es sind oft die leisen Töne, auf die man achten muss, wenn Bahnvertreter Aussagen zum Thema Lärmschutz bei der Betuwe-Güterzuglinie machen. Manchmal sind es aber auch einfach nur Bilder, die stumme Aussagen machen. Wie etwa die gestern im Planungsausschuss gezeigte Fotomontage des heutigen Bahnüberganges an der Sternstraße: So sieht es aus, wenn man aus geschätzten zehn Metern Entfernung in Augenhöhe auf eine vier Meter hohe Lärmschutzwand blickt. Unten sah man ein Stückchen Straße, die direkt an der grauen Mauer endet. Und darüber sahen die Ausschussmitglieder den Himmel vor lauter Wand nicht mehr.

„Wenn ich nichts mehr hören will, habe ich also den Nebeneffekt, dass ich nichts mehr sehen kann", fasste Wilhelm Hausmann (CDU) folgerichtig die Bildaussage zusammen, die ihn an „den Charakter der innerdeutschen Zonengrenze" erinnerte. Manfred Flore (SPD-Stadtverordneter und Vorsitzender der Bürgerinitiative „Betuwe – so nicht") freute sich immerhin, dass das Thema Lärmschutz überhaupt ein offenes Ohr bei der Bahn fand. Lange Jahre habe das „Unternehmen Zukunft" (früherer Werbeslogan) die Notwendigkeit abgestritten.

Kein Lärmschutz für den Kaisergarten

Und die Bahn tut das auch heute noch, in Teilbereichen und mit dem Hinweis auf die Gesetzeslage. Prominentes Beispiel in Oberhausen ist der Kaisergarten. Hier sei auch weiterhin kein Lärmschutz vorgesehen, erklärte Projektleiter Stefan Ventzke von der „DB Infrastruktur Projektbau" gestern zum Stand der Dinge. In den übrigen Bereichen seien in der Nähe von Wohnbebauung drei bis vier Meter hohe Lärmschutzwände vorgesehen, die teilweise mit passivem Lärmschutz wie etwa speziellen Fenstern kombiniert würden. Das ergibt laut Ventzke eine „Halbierung zum Ist-Zustand", trotz der prognostizierten Erhöhung der Zugfrequenzen auf der Strecke von Oberhausen in Richtung Holland.

Die von Manfred Flore geforderte Vorziehung des Lärmschutzes, um schon den Baulärm bei der Erstellung des Gleises einzudämmen, konnte Ventzke jedoch nicht in Aussicht stellen. Diese würde das „Baufeld zu sehr einengen".

Die Befürchtungen der Kommunen und Bürgerinitiativen entlang der Strecke, der verschobene Börsengang der Bahn könne Auswirkungen auf die Finanzierung der Schutzmaßnahmen haben, teilt Ventzke nicht. Zuständig sei das Bundesverkehrsministerium, und von dort seien ihm „keine Restriktionen bekannt."

Im übrigen verwies der Bahn-Projektleiter immer wieder auf das Planfeststellungsverfahren, das im dritten Quartal des kommenden Jahres eingeleitet werden solle. In diesem Rahmen sei Platz auch für eine Detaildiskussion über die Gestaltung der Wände, den Brand- und Katastrophenschutz und die Beseitigung oder Änderung von Bahnübergängen.

Sollte dann binnen etwa eines Jahres der Planfeststellungsbeschluss vorliegen, könne Ende 2011/Anfang 2012 mit dem Bau begonnen werden. Wie lange die Bauzeit denn sein werde, auf diese Frage von Klaus Kösling (SPD) hatte der Bahnmanager allerdings gestern keine Antwort. Am Sterkrader Bahnhof sollen durchgängige, vier Meter hohe Lärmschutzwände gebaut werden.

22.10.2008 / NRZ-LOKALAUSGABE / OBERHAUSEN

 


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