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Betuwe - so lieber doch nicht!
VERKEHR / Die Anwohnerversammlung der Bürgerinitiative hinterließ mehr Fragen als Antworten. Eines ist klar: Die Güterzüge aus den Niederlanden kommen schneller als Lärmschutz und 3. Gleis.
Viele im vollen Saal von "Harlos" waren am Mittwochabend schon wieder so weit zu sagen: "Betuwe - so nicht!" Die gleichnamige Oberhausener Bürgerinitiative hatte eingeladen, damit Experten den Anwohnern der Hollandbahn-Strecke über den Stand der Dinge berichten. Der "Stand der Dinge" zumindest bei der Bahn ist eigentlich der von vor elf Monaten. Bekanntlich vereinbarten Bund, Land und Bahn im Juni 2002 die Dreigleisigkeit für die Strecke zwischen Oberhausen und Emmerich, auf die spätestens ab 2006 weitaus mehr Güterzüge zurollen werden als heute. Vereinbart wurde auch, den Lärmschutz bereits im Vorfeld zu errichten.
Seitdem ist vordergründig nicht viel passiert - und es ist absehbar, dass aus einer Realisierung des Streckenausbaus vor 2006 nichts wird. Den vollen Lärmschutz und drei Gleise wird es frühestens ab 2006, streckenweise wohl erst 2010/2011 geben. Die DB Netz als Tochter der Deutschen Bahn AG hat in diesem Jahr gerade einmal mit der Vorplanung begonnen und erste Gespräche mit den Städten an dem Gleisstrang geführt. Das erfuhren die wenig begeisterten Zuhörer von DB-Netz-Sprecher Georg Streckert, der nicht müde wurde zu betonen, dass die Bahn ihre Planung offen und in Abstimmung mit den Städten gestalten werden. Ganz im Gegensatz zu früher.
Wie, wo und wann kommt der Lärmschutz?
BI-Sprecher Manfred Flore hob vor allem auf den Lärmschutz ab, den das Land NRW finanzieren wird. Wie, wo und wann der errichtet wird, das konnte Streckert natürlich nicht beantworten. Aber Flore legte Wert darauf, dass "uns hier mit passivem Schallschutz (z. B. neue Fenster) allein nicht geholfen ist; wir wollen auch im Garten sitzen". Außerdem dürften die Schutzbauten am Kaisergarten und am Sterkrader Volkspark nicht unterbrochen werden: "Sonst sinkt der Freizeitwert dieser Anlagen für die Bürger erheblich".
In dem Zusammenhang kündigte der Technische Beigeordnete der Stadt, Peter Klunk, eine Studie noch vor der Sommerpause an, die den (jetzigen und zu erwartenden) Bahn-Lärm an allen Streckenabschnitten darstellt. Das Ergebnis soll in die Bahn-Planung einfließen. Für Osterfeld, wo 2004 ein neuer "Zugbildungsbahnhof" für den Schienengüterverkehr entsteht, sei man (gemeinsam mit Bottrop) im Gespräch, um die Umgebung ins Lärmsanierungs-Programm des Bundes aufzunehmen. Nicht nur für Osterfeld, sondern für sämtliche Strecken mahnte Manfred Flore entsprechende Sicherheitsstandards an, weil verstärkt auch mit Gefahrgütern zu rechnen sei.
Das alles ist freilich noch Theorie, weil erst das Planfeststellungsverfahren für die dreigleisige Strecke abgearbeitet werden muss. Damit rechnet DB Netz-Werker Streckert in 2004/2005. Kommt es zu Einsprüchen gegen die Pläne, dann kann alles noch länger dauern. Der Güterverkehr aus den Niederlanden wird inzwischen heranrollen, "ohne dass wir vor dem Lärm durch mehr Züge geschützt sind", bemängelten aufgebrachte Anwohner. Einige befürchten zudem "mehr Schmutz und Erschütterungen, die unsere Häuser beschädigen". Auch dazu werde es Untersuchungen geben, deutete Streckert nebulös an.
Wo fallen Bahnübergänge weg?
Ungeklärt sei auch, wo im Stadtgebiet Bahnübergänge umgebaut werden und ganz verschwinden müssen, erklärte Beigeordneter Klunk. Sicher sei, dass z. B. die Gleisquerung Rosastraße/Lattenkampstraße wegfallen wird, eventuell auch die der Weseler Straße (die Straße werde "abgebunden" bzw. westlich der Bahnstrecke zur Weierstraße geführt).
Kaum trösten konnte die Feststellung des Versammlungsleiters Manfred Flore: "Gut, dass die Vereinbarungen zur Betuwe im vorigen Jahr dank Bundesverkehrsminister Kurt Bodewig eingestielt wurden; ob wir mit einem ostdeutschen VerkehrsministerManfred Stolpe das Glück gehabt hätten, ist fraglich".
HEINZ INGENSIEP
15.05.2003 / LOKALAUSGABE / OBERHAUSEN / NRZ
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